Besuch bei den Glücklichen – Corporate Happiness Kongress

Corporate Happiness Kongress 2014

Wir Norddeutschen am Meer haben es nicht immer so mit Happiness. Steter Wind, steife Brise, kantige Küsten, Leben vom Fischfang und Glückspiraterie. Es braucht viel, um uns Nordlichter anzuknipsen, so dass auch wir strahlen. Wir sind geprägt von einer scheinbar ewigen Ur-Skepsis, als würde unser Leben davon abhängen, lächelten wir  nur einmal zu früh. Die Lippen aufeinander gepresst, damit man nicht ins Plappern kommt, achten wir auf höfliche Distanz – spröde Herzlichkeit. Was liegt also näher, als sich einmal mit dem Gegenteil zu beschäftigen und zum „Corporate Happiness“ Kongress nach München zu reisen, dort, wo die fröhlichen Menschen wohnen.

Ausrichter des zweitägigen Corporate Happiness Kongress sind Dr. Oliver Haas und sein Team. Strahlender Sonnenschein und strahlende Gesichter empfangen mich in der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München. Selbst die Anreise mit der Bahn verlief perfekt (kann es sein, dass einige, für die Zugdurchsagen zuständige, Schaffner neuerdings eine Radiomoderatorenausbildung genossen durften?). Im Seminarraum läuft Musik und diese sorgt für Wohlbefinden, im Gegensatz zu vielen anderen Kongressen, wo die Sterilität und die Startstille eher für Anspannung sorgen.

Corporate Happiness ist ein Unternehmensführungs-Konzept, welches auf der Erkenntnis basiert, dass glücklichere Menschen mehr Erfolg haben. Die Dreamteam Academy GmbH, die hinter diesem Mitarbeitermanagementprozess steht, hat sich darauf spezialisiert, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der positiven Psychologie und der Neurobiologie auf die Arbeitswelt zu übertragen. Über die Arbeitsweisen habe ich hier schon einmal ausführlich berichtet. Ebenso wie das Wochenende zu keinem Zeitpunkt einer Verkaufsveranstaltung glich, so möge sich auch jeder selbst ein Bild vom Corporate Happiness-Programm für Unternehmen machen.

Gedanken zum Glück

2014: Das Jahr der positiven Psychologie! Glücksforschung wird immer bedeutender im persönlichen, wirtschaftlichen und sogar politischen Kontext. Die Programmpunkte des Kongresses eint die Eigenschaft, dass die Informationen wissenschaftlich fundiert aber eben auch anwendungsbezogen vermittelt werden. „Glücksforschung befasst sich mit dem „Glücklich sein“ nicht mit dem „Glück haben“, also um das subjektive Wohlbefinden eines Menschen.“, sagt Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel in seiner Keynote.

Ich bin glücklich – wie schön und schwierig ist diese Aussage. Wie oft gestehe ich mir dieses zu? Gibt es ein glücklich werden oder nur ein glücklich sein? Wenn ich grundlos glücklich bin, bin ich dann verrückt? Glücklich sein wird oftmals wie ein gesellschaftliches Tabu behandelt, auch im privaten Bereich. Viel zu selten mögen wir uns eingestehen, dass wir es wert sind, glücklich zu sein und das auch gerne einfach so, ohne Anlass. Aber zum Glück entwickeln auch wir Menschen uns weiter und das Bewusstsein dafür wird mehr und mehr anschlussfähig.

Das bedeutet, dass „Glücklich sein“ in Zukunft auch im Job immer wichtiger wird. Schwer zu verstehen für uns, die wir gelehrt bekommen haben, dass Arbeit eher unschönes notwendiges Schuften bedeutet und bestenfalls noch als Überbrückung zu den Wochenenden, Urlaub und der Rente betrachtet werden kann. So werden auch Unternehmen vermehrt mit diesem neuen Anspruch und dem Bewusstsein konfrontiert werden und sie tuen gut daran, diese „Ressourcen“ ihren Mitarbeitern auch zur Verfügung zu stellen.

Was macht uns zu glücklichen Menschen?

Dr. Oliver Haas: „50% des glücklich seins sind genetisch bedingt, 10% hängen von den äußeren Umständen ab und zu 40% trägt unsere Innenwelt, also unsere Haltung und Einstellung dazu bei.“ Ich denke an meinen Wunsch-Porsche sowie die vielen Traum-Millionen, die ich noch erfolgreich scheffeln will und merke, sie gehören dann wohl nur zu den 10%, die meinem Glück dienlich sein werden L. „Erfolg macht nicht glücklich, aber glückliche Menschen sind erfolgreicher.“, legt Oliver Haas nach.

Laut Studien sorgen gering motivierte Mitarbeiter für einen Performanceverlust von bis zu 25%, was das in Geldwerten darstellt, mag sich jeder Arbeitgeber selbst ausrechnen. „Wenn wir kreativere, gesündere und leistungsfähigere Mitarbeiter wünschen, sollten wir wieder mehr auf die Potenziale unserer Mitarbeiter blicken und nicht nur an das denken, was wir gerade sehen. Mitarbeiterentwicklung heißt nicht bloß Dressur, sondern Persönlichkeitsentwicklung. Wir arbeiten an der Haltung der Mitarbeiter um nachhaltige Veränderungen zu erzielen.“, so Haas über die Wirkungsweise des Systems Corporate Happiness. Wertschöpfung durch Wertschätzung – diesen Weg ist auch die Hotelgruppe Upstalsboom gegangen. Eine Erfolgsgeschichte durch Potentialentfaltung, die hier wunderbar portraitiert ist.

Bei der (Mitarbeiter-)Führung geht es im Kern stets um zwei Grundbedürfnisse, die oftmals zu Spannungen führen: 1. „Verbundenheit“ (also Zugehörigkeit zu etwas) und 2. „Über sich hinauswachsen“ (die persönliche Entwicklung). Ist hier etwas nicht im Gleichgewicht, sucht der Mitarbeiter sein Glück entweder in Ersatzbefriedigungen, wie mehr Lohn usw. oder in der Verdrängung (hoher Krankheitsstand, Dienst nach Vorschrift usw.). Das Corporate Happiness System animiert Mitarbeiter dazu, ihre eigenen Stärken zu finden  und einzubringen um dann daraus letztendlich allgemein gültige Werte für das Unternehmen herauszuarbeiten. Das ist neu und das ist gut, Thumbs up für Bottom-up statt Top-Down.

Auch Altmeister Dr. Dr. Cay von Fournier zeigt auf, dass das Investieren in Mitarbeiter mittlerweile zum wichtigen Teil der Betriebsführung geworden ist und mahnt ebenso an, auf abgedroschene Phrasen in der Kommunikation zu verzichten „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt – das haben die Kannibalen auch schon gesagt.“ Vortragsrednerin und Autorin Maike van den Boom ergänzt in ihrer Keynote: „Wer glücklich sein will muss seine Prioritäten neu setzen.“. Ich vergesse meinen Porsche nun ganz. Einen schönen Abschlusssatz findet die Expertin für Business Humor Yvonne Villiger: „Die innerer Haltung verändert äußere Umstände.“ Na dann!

Fazit: Der Corporate Happiness Kongress 2014 zeigte sich als ein tolles Wochenende für Herz und Hirn. Selten habe ich so eine schöne Stimmung und Atmosphäre auf einer Veranstaltung dieser Art erlebt. Aus meiner Sicht war es ein wunderbarer Mix aus relevanten Informationen, bester Unterhaltung und ergebnisorientierten Workshops. Ich nehme ein kleines Licht aus Bavaria mit in den hohen Norden. Der Porsche kann warten.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Heiko,
    War auch am CoHa Congress (haben uns mal kurz unterhalten) und kann Deinen Ausführungen nur zustimmen. Habe viel für mich mitgenommen und mich entschieden die Corporate Happiness Expertinnen Ausbildung zu machen. Möchte auch etwas Glück in Österreichische Unternehmen bringen;-)

    Alles Gute für Dich und Danke für den tollen Beitrag!

    Wunderschöne Grüße aus Graz
    Brigitte

  2. Hallo Heiko,
    super auf den Punkt gebracht! Ich hoffe, auch 3 Monate später wirken die Eindrücke noch nach. Ich kann für mich auf jeden Fall sagen, dass ich nachhaltig dazugelernt habe.

    Mit lieben Grüßen aus der Steiermark, dem grünen Herzen Österreichs,
    Manuela

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