Kopfkino und Gedankenhygiene für den unternehmerischen Erfolg? Was Manager von Spitzensportlern lernen können

Antje Heimsoeth Blogartikel

Spitzensportler faszinieren uns immer wieder: Wie sie konzentriert bis in die Haarspitzen auf dem Platz stehen, sich mit eisern disziplinierten Tagesabläufe zum Erfolgen arbeiten und besonders dann, wenn Sie ein verloren geglaubtes Spiel noch einmal drehen können. Und klar, der Erfolg beginnt im Kopf und der Wille entscheidet über Sieg oder Niederlage. Sonnenklar. Schade, dass ich kein Spitzensportler bin und mir all diese Fähigkeiten verwehrt sind. Mein Kopf ist nur für die Mütze… STOPP! Ruft Antje Heimsoeth, Speaker/Expertin/Autorin für mentale Stärke sowie Motivation, und erzählt, was wir (einfachen Unternehmer) vom Spitzensport lernen können.

Antje Heimsoeth ist in beiden Welten zuhause, in der des Business und in der des Sports – und es zeigt sich, dass es doch nur eine Welt ist: nämlich die, der mentalen Stärke und dem Wissen um effiziente Wirkungsweisen unserer Gedanken. Als zertifizierter Mental und Business Coach sowie Keynote Speakerin mit Olympiafaktor beeindruckt, begeistert, und inspiriert sie die Teilnehmer ihrer Ausbildungen, Seminare und Vorträge. Mit der Sport- & BusinessNLPAcademy leitet Sie zudem Ihr eigenes Institut für Coaching, Mentaltraining und Persönlichkeitsentwicklung in Rosenheim. Was wir wissen wollen?

Der Kopf dein Feind und Verbündeter. Wir glauben alle an die mentalen Fähigkeiten im Sportbereich, doch selten beachten wir sie im Berufs- und Wirtschaftsleben. Sie kennen die Denkmuster von Siegern und erfolgreichen Menschen aus den Bereichen Spitzensport und Management, welche  mentalen Fähigkeiten aus dem Sportbereich können sich Unternehmer zu Eigen machen?

Was erfolgreiche Spitzensportler neben ihrer physischen Leistungsfähigkeit, Fitness und Koordination auszeichnet, ist ihr unbedingter Siegeswille, der Glaube an sich (und ihr Team, Unterstützer) sowie die Fähigkeit, sich auf den Punkt konzentrieren zu können. Die Freude an dem, was sie tun, versetzt sie in den sogenannten Flow, dem Idealzustand für erfolgreiches Handeln. Selbst nach einer Niederlage geben sie nicht auf, sondern stehen auf, analysieren die Situation und gezeigte Leistung. Erfolgreiche Menschen richten ihren Fokus auf Lösungen statt auf Probleme. All das sind Fähigkeiten, die auch Unternehmern nutzen.

Im Wettkampf – was gleichbedeutend ist mit einer kritischen Stresssituation im Unternehmen – sind mental starke Menschen in der Lage, sich auf ihr Ziel zu fokussieren. Es gelingt ihnen, innere (Zweifel, Angst vor Versagen, Verspannungen, innerer negativer Dialog, der innere Kritiker, zu hohe Ansprüche an sich selbst, negative Gedanken) und äußere Störfaktoren (z. B. im Großraumbüro, Konkurrenz, Zeit) auszublenden. Sie sind hochmotiviert, ihr Ziel zu erreichen. Dafür haben sie ihre Ziele vorab schriftlich formuliert und diese visualisiert. Außerdem trägt ein „Ziel-Vertrag“ (mit Unterschrift von „Zeugen“ / Freunden), positiv zur Konsequenz, Bereitschaft und Ausdauer bei. Die schriftliche Zielvereinbarung ist sozusagen eine konkrete Absichtserklärung.

Mentales Training nutzt die Tatsache, dass die bildhafte Vorstellung, neben vielen weiteren günstigen Effekten unser Unterbewusstsein beeinflusst, Erlebnisnetzwerke im Gehirn aktiviert und letztlich nach dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung arbeitet. Spitzensportler setzen Visualisierungen z. B. ein, um sich auf den Wettkampf vorzubereiten. Ein Skifahrer fährt vor dem Start die Strecke mit geschlossenen Augen im Geiste ab. So lassen sich auch berufliche Herausforderungen wie Präsentationen oder Verhandlungen vorab visualisieren.

Es gibt neben dem „Kopfkino“ viele weitere Techniken, die dem Sportler ebenso wie dem Manager nutzen, z. B. die Entwicklung von Routinen und Ritualen zur Einstimmung (auf eine große Herausforderung), Affirmationen (positive Selbstgespräche), Entspannungsübungen, Erfolgstagebuch und/oder Dankbarkeitstagebuch führen oder  Gedankenhygiene betreiben unter Zuhilfenahme der Stopp-Technik, d.h. negativen Gedanken bewusst Einhalt gebieten.

Spitzensportler wissen, dass sie sich nach einer Wettkampfsaison psychisch und physisch erholen müssen, bevor sie die nächste Herausforderung angehen. Die richtige Balance zwischen Höchstleistungen und Regeneration ist auch für Unternehmer enorm wichtig. Entspannung gibt neue Energie für mehr Leistung und wirkt sich positiv auf die Psyche aus.

Sie regen an, dass man sich auch „gesundheitliche Ziele“ setzen sollte, wobei diese, die Gesundheit nicht nur als „Abwesenheit von Krankheit“ beschreiben sollen. Was können konkrete gesundheitliche Ziele sein und welche Maßnahmen helfen bei der Erreichung?

Bewusst mit seinem Körper umzugehen, schlechte Gewohnheiten wie zum Beispiel das Rauchen abzulegen, sich zu regenerieren und zu erholen, Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren, viel Wasser zu trinken – all das sind Faktoren, die zu unserer Gesundheit beitragen und unsere Leistungsfähigkeit erhalten oder sogar steigern. Ein konkretes Ziel könnte sein „Bis zum 31.12.14 wiege ich, wenn ich mich auf die Waage stelle, 72 kg und weniger.“ oder „Ich gehe jede Woche mindestens dreimal laufen.“ Unser Gehirn braucht konkrete Anweisungen, ohne „Weichmacher“ wie „möchte, würde, könnte“ oder sprachliche Verneinungen (kein, nicht, nie etc.). Das Gehirn kann keine Negationen verarbeiten.  Ziele müssen in der Gegenwart, ohne Vergleiche, überprüfbar und realistisch formuliert sein. Formulieren Sie Ihr Ziel so konkret, dass Sie den Zielzustand sehen, hören, spüren / fühlen, riechen und schmecken.

Es hilft, das Ziel zu visualisieren. Bringen Sie sich durch Entspannung über die Bauchatmung in einen Zustand der Ruhe. Dann lassen Sie allmählich ein Bild vor Ihrem inneren Auge auftauchen, auf dem Sie sehen, dass Sie gerade eben Ihr Ziel erreicht haben. Stellen Sie sich die Situation in allen Einzelheiten vor. Wie sieht Ihr Leben aus? Beschreiben Sie es. Wie wirkt sich die Gewichtsreduzierung oder das regelmäßige Joggen auf Ihren Alltag aus? Sind neue Aspekte für Ihre gesundheitliche Entwicklung wichtig geworden? Es ist befriedigend, Ziele zu erreichen, weil Sie immer wieder dazulernen – das geht dem Spitzensportler genauso wie dem Manager.

Speichern Sie das Gefühl ab, dass Sie bei der Zielvisualisierung empfunden haben. Passt ein Wort, Bild oder eine Geste dazu? Das innere Bild wird Sie unterstützen, Ihr Ziel zu erreichen. Je öfter Sie das Erleben der Zielerreichung wiederholen, desto stärker wird Ihre innere Motivation. Das Vorwegerleben weckt Begeisterung und aktiviert Energien. Ihr Selbstvertrauen wird gestärkt.

Auf der DVD „Mentale Gesundheit“ sprechen Sie über das Thema Ruhephasen zum Abrufen von Spitzenleistungen. Sportler wissen Pausen zur Entwicklung zu schätzen, Manager und Unternehmer eher wenig. Wie lässt sich diese Erkenntnis der Erholungsphasen auf das Geschäftsleben übertragen und was bedeutet das konkret für meinen Tagesablauf?

Ich erkläre das gern am Beispiel eines Radsportlers, der für das „Race across America (RAAM)“ trainierte: Mein Klient hatte einen Trainingsplan, der ihm einen bestimmten Puls vorgab für seine Fahrtstrecke. Doch immer, wenn ihn unterwegs ein Freizeitradler überholte, packte meinen Klienten der Ehrgeiz, sich nicht abhängen zu lassen, das Tempo mitzufahren. Der Puls war dahin, die Ziele des Trainingsplans ebenfalls. Er wurde Opfer seines falschen Ehrgeizes. Wenn Manager meinen, sie müssten um 23 Uhr auf der Bettkante sitzend noch E-Mails checken und vielleicht beantworten, dazu am Wochenende die Finger nicht von ihrem Tablet lassen können, vom Handy ganz zu schweigen, dann ist auch das falsch verstandenes Engagement. Abschalten im wahrsten Sinne des Wortes ist absolut notwendig. Nur, wer zwischen den Spitzenphasen regeneriert, ist  in der Lage, regelmäßig Höchstleistungen zu erbringen.

Zeit für Entspannung, regelmäßige Bewegung und bewusste Ernährung sollten Teil der täglichen to do-Liste sein oder werden. Führen Sie „gesunde“ Rituale ein. Verlassen Sie Ihren Arbeitsplatz zum Mittagessen. Gehen Sie außerdem für ein paar Minuten raus. Wenn Sie das Gebäude verlassen, verbieten Sie sich Gedanken zur Arbeit und negative Grübeleien. Richten Sie Ihr Augenmerk auf die Natur. Beobachten Sie, wie sich jeden Tag wieder etwas in der Natur geändert hat. Damit entspannen Sie Geist und Körper, gleichzeitig kehren Sie ins Hier und Jetzt zurück. Ihre Gedanken beschäftigen sich in diesem Moment nicht mit Fehlern aus der Vergangenheit oder Zukunftsängsten. Ihre Produktivität wird unter diesen bewussten Auszeiten nicht leiden, im Gegenteil.

Auch das Visualisieren eines „Ruhebilds“, also eines Ortes, den Sie als schön und entspannend empfinden, kann helfen, sich am Schreibtisch eine kurze Auszeit zu gönnen. Entschleunigen Sie: Gehen Sie langsam und bewusst von Büro zu Büro statt zu hetzen. Achten Sie auf Ihre Sprache, kein: „Ich mache noch schnell das und das.“

Für den Feierabend gilt: Ohne Gedanken an den Beruf zur Familie zurückkehren. Gelingt das nicht auf Anhieb, dann auf dem Heimweg anhalten und einen Spaziergang machen, um den Kopf frei zu bekommen. Oder zuhause für eine mit der Familie fest vereinbarte Zeit sich zunächst zurückziehen, Musik hören oder selbst welche machen. Das Handy beim Heimkommen ausschalten, im Flur neben der Haustür platzieren und erst morgens beim Verlassen des Hauses wieder einschalten.  Auch öfter auf Fernsehen und i-Pad als vermeintliches Entspannungsmittel verzichten, stattdessen lesen, mit dem Partner oder den Kindern sprechen, Freunde treffen, meditieren oder Sport treiben.

Urlaube sind unverzichtbar. Dort sollten Sie auf das Lesen von E-Mails verzichten und „Gedankenhygiene“ betreiben, also die Arbeit aus dem Kopf fernhalten.

Mich interessiert besonders die Fragestellung „Wie kommt das Neue in die Welt“. Wie arbeiten Sie mit Sportlern, die ein ganz neues Leistungsniveau anstreben bzw. sich nach einer Niederlage wieder neu selbst erfinden müssen und welche Parallelen kann man daraus für das unternehmerische Handeln ableiten?

„Wenn du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt.“ lautet eine Lebensweisheit des Dalai Lama. Spitzensportler analysieren die Wettkampfsituation: Was ist gut gelungen, was muss ich verstärkt trainieren? Wichtig ist, den Fokus dabei nicht allein auf Schwächen und Defizite zu richten.

Wenn Sie eine schlechte Präsentation oder eine für Sie ungünstig verlaufene Verhandlung zügig verarbeiten und eine Lernerfahrung daraus ziehen möchten, dann gewinnen Sie möglichst schnell inneren Abstand dazu. Geben Sie sich zunächst die Zeit, Ihrer Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, dabei dürfen auch Tränen fließen. Danach suchen Sie sich eine Aktivität, die Ihnen hilft, Stress abzubauen und den Kopf frei zu kriegen  – das kann ein langer Spaziergang sein oder laufen. Ist der Kopf frei, nehmen Sie sich Zeit für eine Analyse. Was waren Faktoren für die schlechte Präsentation oder gescheiterte Verhandlung? Welche Stärken kamen zum Tragen, wo haperte es? Wie genau haben Sie sich in der Situation erlebt? Was genau können Sie verbessern?

Die Reflexion und systematische Auswertung der Erfahrungen und Handlungen während Ihres Misserfolgs sind essentiell für Ihre persönliche Weiterentwicklung. Mit diesem Vorgehen gelingt es Ihnen, trotz Niederlage wieder an die Arbeit zu gehen und das nächste Ziel erfolgsorientiert anzuvisieren. Ein lohnender, gar unerlässlicher Schritt auf dem Weg an die Spitze!

Mit dem Fachbuch „Mein Kind kann’s: Mentaltraining für Schule, Sport und Freizeit“ greifen Sie das Thema der positiven Gedanken  für Kinder und Jugendliche auf. Was gibt es für Ansatzpunkte im Alltag an denen ich im Sinne einer Förderung meiner Kinder arbeiten kann?

Immer mehr Kinder und Jugendliche erleben aufgrund gestiegener Anforderungen in der Schule und gesellschaftlicher Umbrüche (beide Eltern berufstätig, Patchwork-Familien u.ä.) Stress. Sie haben Ängste, innere Blockaden oder Leistungs- und Verhaltensprobleme. Mit Hilfe von Mentaltraining können sie spielerisch den Zusammenhang von Selbstvertrauen, Leistung und Selbstbild kennenlernen. Die Palette an Möglichkeiten ist breit gefächert: Sie können die Stärken des Kindes stärken, in dem Sie diese dem Kind bewusst machen, Routinen und Rituale einführen, die Vorstellungskraft und die Konzentrationsfähigkeit trainieren. Darüber hinaus helfen Körperwahrnehmungsübungen und Atemübungen ebenso wie Fantasiereisen oder Affirmationen. Jedes Kind und jeder Jugendliche ist einzigartig und braucht individuelle Hilfestellungen.

Was bringt das neue Jahr an besonderen Highlights in Ihrer Arbeit, welche Ziele haben Sie sich für 2014 gesetzt?

Ich möchte: gesund bleiben, privat wieder in die Ferne reisen und weniger arbeiten als die letzten Jahre. Große Bühnen rocken, Menschen weiterhin in Ihrem Denken und Handeln berühren und inspirieren. In der Sportschau auftreten, meine Speakertätigkeit ausbauen und im September als Keynote Speaker an einem Kongress in Shanghai teilnehmen. Als Speaker und Trainerin auf einem Kreuzfahrtschiff mitfahren und mindestens eine Auslands-Golfreise für Technik und Mentale Stärke durchführen. Außerdem möchte ich einen Vertrag für ein weiteres Buch (nicht zum Thema Sport) unterschreiben, mich um die Suchmaschinenoptimierung kümmern, die www.antje-heimsoeth.com auf WordPress umstellen und eine neue Dozentenstelle finden. Ich möchte noch professioneller werden, Schauspielunterricht nehmen und von Vorbildern lernen. Anmerkung: Alle hier genannten Ziele sind nicht im Sinne des wohlgeformten, positiven Zielrahmens ausformuliert.

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